Kindergarten

Grundschule

Kleine Athleten ganz groß

Sonnenfinsternis, Frühlingsanfang und Hallensportfest, gleich drei Highlights haben die 1. und 2. Klassen der Grundschule am 20. März 2015 erwartet. Dass sie fit und beweglich sind, stellten die jungen Athleten - auch dank tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Eltern - in den Sporthallen der ESM eindrucksvoll unter Beweis. Eingeteilt in 15 europäische Gruppen starteten die Kinder mit dem Aufwärmlied "Theo, Theo ist fit wie ein Turnschuh" in einen Parcours, der es in sich hatte. An 16 Stationen wurden ihnen jeweils 4,5 Minuten lang vielfältige Geschicklichkeits-, Kraft- und Balanceübungen abverlangt: Balancieren über eine Wippe und über eine schwankende Hängebrücke in verschiedenen Höhen, Hochklettern an Stangen, Schwingen wie Tarzan über einen Graben, Dosenwerfen und vieles mehr.

Mit viel Energie und Begeisterung meisterten die kleinen, aber sehr ambitionierten, Sportler die vielfältigen sportlichen Herausforderungen. Trotz Erschöpfung nach 90 Minuten Hallensport, tanzten alle Kinder zum Abschluss den Schokoladentanz. Zurück im Klassenzimmer erwarteten die fleißigen Turner erfrischendes Wasser, eine Schokolade zum Frühlingsanfang und eine Teilnehmerurkunde.

Pädagogisches Ziel des sportlichen Schultages war, die Wahrnehmungsfähigkeit der Schüler zu verbessern, ihre Bewegungserlebnisse zu erweitern und soziales Lernen zu fördern. Das Hallensportfest vereinte auf gelungene Weise drei für Kinder wichtige Elemente: Sport, Spiel und Spaß!

Höhere Schule

Musik-Austausch in Polen

Musik ist eine universelle Sprache, die Menschen verbindet und Brücken schlägt. Ein Bus voll mit 64 talentierten Musikern vom ESM-Orchester und Konzertchor hatten die Ehre, dies während ihrer letzten Konzertreise nach Polen vom 25. - 29. April 2015 zu erleben. Die Gruppe, die aus 15 verschiedenen europäischen Nationalitäten aus den Klassen S1-S7 der Höheren Schule bestand, hat einmal mehr bewiesen, dass man nicht Polnisch zu sprechen braucht, um sich in Polen wie zu Hause zu fühlen. Mit Musik ist Kommunikation immer möglich!

Das erste Ziel war Swinemünde, wo die Gruppe ein Konzert in dem örtlichen Kulturzentrum in Zusammenarbeit mit Chor-Musikern aus dem Kulturhaus Swinemünde abhielt. In der schönen Stadt Stettin besuchte die Gruppe das Stettiner Musik-Gymnasium und probte für ein Konzert mit polnischen Schülern, die im Chor sangen und im Orchester spielten. Ein gemeinsames Konzert wurde dann am nächsten Tag in der Trafostacja Konzerthalle in Stettin aufgeführt. Beide Konzerte fanden großen Anklang, vor allem als alle gemeinsam ein traditionelles polnisches Volkslied sangen, klatschte das Publikum begeistert Beifall und rief nach einer Zugabe!

Zu den Sightseeing-Highlights zählten ein Aufstieg auf den höchsten Leuchtturm an der Ostsee, eine geführte Bustour durch Stettin und ein Besuch in Europas neuester Philharmonie in Stettin, einem atemberaubenden Gebäude, das für den 2015 Mies van der Rohe Architecture Award nominiert worden ist. Dort bekam der Chor sogar die Möglichkeit, die fantastische Akustik auszuprobieren.

Bei weitem das Beste an der Tournee war es, sich gegenseitig besser kennenzulernen und neue Freundschaften mit anderen jungen Musikern aus Polen zu schließen. Die Reise wurde von unserer ESM-Orchester-Leiterin, Kasia Moskwa, selbst gebürtig aus Stettin und einem ehemaligen Kollegen an der dortigen Musikschule, hervorragend organisiert. Aus dem ESM-Kollegium vervollständigten Julie Plugge, Ella Sincuk, Jeff Louarn, Bernd Auerhammer und Jelka Klein das musikalische Team, welches dafür sorgte, dass während der gesamten Reise Harmonie auf allen Ebenen herrschte.

Es gab Umarmungen und sogar einige Tränen als sich alle von unseren neu-gewonnenen polnischen Freunden verabschieden mussten. Erinnerungen an dieses fantastische musikalische Erfahrung und den bereichernden Kulturaustausch werden für immer bleiben. Nun ist die Brücke zu unseren neuen polnischen Freunden erschaffen, so dass sie uns eines Tages in München besuchen kommen können!

Die DDR und das Baskenland

Nicht nur der Referent freut sich auf seinen (4!) Auftritt an der ESM, auch sein junges Publikum ist gespannt wie ein Flitzebogen: Zweimal kam Dr. Ibon Zubiaur als Direktor des Münchener Instituto Cervantes, zweimal als in Berlin lebender freier Autor und Übersetzer. Zubiaur ist derzeit wohl der beste Kenner der DDR-Literatur in Spanien. Alljährlich erscheinen dort Übersetzungen aus seiner Feder, vor allem der Werke Irmtraud Morgners und Brigitte Reimanns, beide 1933 geboren und noch vor der Wiedervereinigung Krebserkrankungen erlegen. Reimanns ungekürzter Roman und Magnum opus "Franziska Linkerhand" erscheint dank eines DAAD-Übersetzerstipendiums demnächst ebenfalls aus Zubiaurs Hand auf Spanisch.


Am 21. April 2015 führt Zubiaur in einem Literatur-Workshop für Abiturienten in die DDR-Literatur ein und charakterisiert deren Bedeutung als "Anomalie der Geschichte", weil sie mangels Demokratie die Aufgabe einer möglichst offenen Debatte übernommen habe. Anders als in einer freien Gesellschaft, wo Literatur auch und vor allem kommerziell erfolgreich sein muss, wurden in der DDR in den siebziger Jahren Themen von großer gesellschaftlicher Brisanz aufgegriffen, aber so "verpackt", dass man die Zensur unterlaufen konnte. So platzierte Irmtraud Morgner ihre zuvor verbotene Erzählung "Rumba auf einen Herbst" unauffällig in ihrem Großroman "Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura", in dem sie ebenso linientreu wie frech-unkonventionell die spießige DDR aus den Angeln hob und mit dem sie gleich auch noch die westdeutsche Frauenbewegung entzückte: So schräg und so sinnlich gelang das westdeutschen Autorinnen noch längst nicht!

Morgner definierte ihren Montageroman als unverwüstliche literarische Gattung, in die alles - auch die Kritik der allmächtigen Partei - integriert und wieder weggelassen werden könne, als jederzeit ergänzbares Fragment, als ideales Genre der Zukunft "zum Reinreden". Da dürften es selbst ihre von der Stasi auf sie angesetzten Lebenspartner beim Ausspionieren schwer gehabt haben... Brigitte Reimann schrieb zwar konventioneller, dafür aber so elegant-fließend und mit ständigem Perspektivwechsel, dass der atemlose Leser den ersten Kuss nach 450 Seiten als Erlösung empfinden musste.

Die Frage einer Schülerin, warum er sich denn gerade für diese beiden Schriftstellerinnen entschieden habe, pariert Zubiaur mit dem Hinweis auf deren unorthodox-neuen Schreibstil, ihre Tabulosigkeit und ihre offensive Weiblichkeit.

Die hörbuchnahe Lesefähigkeit von ihm spontan angesprochener Schülerinnen und Schüler überrascht und begeistert Zubiaur ebenso wie die interessanten Fragen der angehenden Abiturienten, für die das Ende des Workshops viel zu früh kommt.

Kaum ist der Abschlussapplaus verklungen, da beginnt der spanische Referent auch schon vor neuem Publikum - u.a. mit Gaby dos Santos von der Kulturplattform "jourfixe-muenchen" und der deutsch-polnischen Übersetzerin Nina Kozlowski - mit der Vorstellung seines ersten auf Deutsch verfassten Buches "Wie man Baske wird. Über die Erfindung einer exotischen Nation" und hier ist Zubiaur nun wirklich ganz in seinem Element als Baske, Europäer und Weltbürger. Nationen sind für ihn willkürliche Erfindungen, ganz gleich, ob es sich um die deutsche, spanische oder baskische handelt. Allerdings sei das baskische "nation-building" ziemlich spät und notgedrungen ziemlich künstlich erfolgt. Das heutige Baskisch sei im Wesentlichen eine philologische Erfindung des 19. Jahrhunderts bzw. der Rebaskisierung der nachfranquistischen Ära. Die in seinem Essay-Band aufgeführten Beispiele sind ebenso beredt wie hanebüchen.

Aber: Der 1971 geborene Ibon hat eine baskische Paradeerziehung durchlaufen mit Spanisch als 1. Fremdsprache und spricht bis heute eine Sprache, die im Baskenland nur eine Minderheit beherrscht. Früh ist er also über seine baskische Privatschule in Getxo bei Bilbao in eine Zweisprachigkeit hineingewachsen, die ihn für weitere Sprachen sensibilisierte und zum Übersetzer prädestinierte.

Auf Englisch lernte er die Weltliteratur kennen, auf Deutsch lehrt, übersetzt und schreibt er seit fast anderthalb Jahrzehnten, ohne indes seine iberisch-baskische Herkunft zu verleugnen. Identität - ethnische, gesellschaftliche, sexuelle, religiöse - ist für Zubiaur ein "lockeres Band". Jahrelang sei er mit der Frage konfrontiert worden, ob er sich als Spanier oder als Baske fühle. "Bis heute aber sehne ich mich nach einer gesellschaftlichen Stimmung, in der nicht die Frage zählt, als was ich mich fühle, sondern eher, wie ich mich fühle. Allzu oft aber lautete die Frage bloß: Was bist du? Und mehr als einmal (...) habe ich geantwortet: Athletic-Fan." Und genau hier sieht Ibon Zubiaur eine Lösung: Sein Lieblingsverein, der Erstliga-Fußballklub Athletic Bilbao, arbeitet nur mit Spielern aus der Region, aber nicht mit dem nebulösen Kriterium baskischer Abstammung, sondern mit dem nachvollziehbaren von Herkunft und Ansässigkeit. So versammelt der Erstligist eine bunte Truppe von Spitzenspielern, auch solchen aus Angola oder Venezuela, die früh genug in baskische Gefilde gelangt sind. Dergestalt überwindet man ausgerechnet im Fußball ein politisches Problem spielerisch.

Die ESM-Schüler kennen diese Art von Identitätssuche nur allzu gut, was schon in Gabriels baskisch-spanischer Begrüßung zum Ausdruck kommt, aber gleichermaßen in der intensiven Diskussion der Schüler mit dem Referenten, die auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung weitergeht: Nach seinem Vortragsmarathon bleibt Ibon Zubiaur am besten gleich ganz an der ESM! Und wieder einmal hat die ESM-Elternvereinigung die europäische Dimension an unserer Schule gefördert!