Redekunst auf der Agenda

Das oberfränkische Kloster Banz ist bekannt als Ort der Klausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag wie auch der bayerischen Landtagsfraktion. In dieser Abgeschiedenheit - nichts anderes bedeutet ja Klausur - erwartet man sich Gespräche und Einsichten, die sich im Berliner oder Münchner Getriebe nicht so bald ergeben. Auch eine Gruppe von s6-Schülern der Europäischen Schule München wusste die kontemplative Atmosphäre des Ortes beim heurigen Rhetorik-Seminar für sich zu nutzen. Unter der Leitung von Dr. Michael Wagner und in bewährter Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung fand das dreitägige Seminar vom 28. bis zum 30. Mai 2018 für Schüler der Höheren Schule aus der 6. Jahrgangsstufe statt. Als Referentin konnte zum wiederholten Mal Dr. Cornelia Wolfgruber gewonnen werden.

Das Konzept folgt einem ganzheitlichen Ansatz. Rhetorik ist zwar die Kunst der Rede, um mit dieser aber auch überzeugen zu können, gehören Stimme und Körpereinsatz ebenso dazu, wie eine fundierte Positionierung. Im technisch bestens ausgestatteten Rhetorikstudio besteht die Möglichkeit, die Redner durch Bild- und Tonaufnahmen zu dokumentieren, womit eine Grundlage zur eingehenden gemeinsamen Analyse gegeben ist, die so in keinem Klassenzimmer denkbar wäre.

Nachdem sich die Teilnehmer über Themen verständigt haben, arbeiten sie zunächst an verschiedenen Grundlagen des Auftretens, immer wieder auch mit praktischen Übungen. Sodann geht es an die Vorbereitung einer Rolle, aus der heraus in unterschiedlichen Kontexten (Diskussionsrunde, Vortrag) ein Redebeitrag vorbereitet wird. Die Hauptthemen Legalisierung "weicher" Drogen und Sterbehilfe bieten zunächst nichts Außergewöhnliches, doch geht es auch nicht in erster Linie um die Erschließung ungewöhnlicher Inhalte (die mag dann wieder dem Klassenzimmer überlassen bleiben), sondern um das Trainieren eines überzeugenden Auftritts.

Das eigentliche Ziel besteht darin, jeden Teilnehmer die seiner Persönlichkeit am ehesten entsprechende Art der Präsentation finden zu lassen. So etwas ist in drei Tagen nicht abgeschlossen, ein spürbarer Anstoß dazu aber ist gegeben.