Europäische Identitäten

Unser Kontinent ist - ebenso wie unsere Schule - vielschichtig und gerade das macht seinen unvergleichlichen Reichtum aus. Selbst wenn wir uns als Europäer zusammenschließen, bleiben wir doch auch weiterhin verschieden. Unsere lokale, regionale, nationale, europäische, aber auch weltanschauliche, ethnische, soziale, weibliche/männliche Identität auszuloten, ist Ziel dieses Vierjahresprojekts an der ESM.

Europa wird ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges zwar nicht mehr in Nord und Süd oder in Ost und West aufgespalten, aber die Einheit des zwischenzeitlich als unteilbar begriffenen Kontinents sieht sich neuen Herausforderungen ausgesetzt, die nur unzureichend mit den Stichworten Wirtschafts- und Finanzkrise, Ukraine, Flüchtlingsproblematik und Terrorgefahr erfasst werden und die auch das Miteinander in der inzwischen 28 Mitglieder mit über 500 Millionen Bürgern umfassenden Europäischen Union tangieren. Vor diesem Hintergrund geht unser Blick geografisch wie kulturell in alle Richtungen, überspringt problemlos den augenblicklichen EU-Horizont. Auch ein Kameraschwenk auf andere Kontinente oder von dort nach Europa ist denkbar.

Das Projekt ist ergebnisoffen, aber es stützt sich auf die im "Mauerfall-Projekt" (2009 - 2011) geschaffenen Netzwerke und holt namhafte Zeitgenossen aus "aller Herren Länder" an die ESM. Das Identitätsprojekt umfasst Unterrichtsprojekte, Lesungen, Ausstellungen, Workshops, künstlerisch-musikalische Performances, Europäische Stunden, Filmevents, Runde Tische und Podiumsdiskussionen, grenzüberschreitende Begegnungen und solche mit renommierten Zeitzeugen. Das Projekt hat seinen Ausgangspunkt an der HS, ist aber für alle Schulbereiche - insbesondere auch für die GS - offen!

Eines der Leitmotive der Europäischen Schule ist die Multikulturalität, wie sie ständig und intensiv schulintern gelebt und erlebt wird. Diese europäische Kulturvielfalt basiert nicht nur auf den verschiedenen Nationen, Sprachen und Kulturen, sondern findet innerhalb vieler Familien ihren eigenen Ausdruck. Unsere häufig aus diesem Umfeld stammenden Schüler sind von Haus aus interkulturell und zwei- oder mehrsprachig. Für diese Kinder und Jugendlichen kann die Situation "zwischen den Stühlen" mit einer nicht immer leicht definierbaren Identität eine Quelle von Zweifeln und Verunsicherung sein; gleichzeitig ist diese Polyvalenz aber auch eine große Chance in einer multipolaren, globalisierten Zukunft.

Sicherlich ist die jeweilige Familienkultur ausschlaggebend für die Herausbildung der jugendlichen Identität, aber gerade unsere Schule ist eine prädestinierte Institution, um mit einem interdisziplinären Themenfokus "Identität" dieses Potenzial aufzugreifen und produktiv weiterzuentwickeln, nicht zuletzt, um das spezifische Profil der ESM zu stärken.