Europa 20 Jahre nach dem Mauerfall

Der Epochenumbruch von 1989 war Jahresthema des Schuljahres 2009/2010 an der Europäischen Schule München. Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde trafen Protagonisten: Zeitzeugen, Politiker, Schriftsteller, Historiker, Journalisten aus Deutschland und ganz Europa. Wir wollten damit bei uns an der Grundschule (GS) ebenso wie an der Höheren Schule (HS) - im Unterricht, in Projekten und Workshops, Autorenlesungen, Konzerten, Performances und Diskussionen, aber auch im Rahmen von an die Schule geholten Ausstellungen - erfahrbar machen, wie stark sich unser Kontinent seitdem verändert hat. Das ESM-Projekt schaute diesmal auch ganz bewusst nach Osteuropa und war - natürlich - mehrsprachig und multikulturell! Zahlreiche Kooperationspartner unterstützten uns. Als Schirmherr des Projekts konnte Christian Ude, der Oberbürgermeister der bayrischen Landeshauptstadt, gewonnen werden.

Ab Oktober 2009 wurde die Plakatausstellung "20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit" der Berliner "Stiftung Aufarbeitung" gezeigt, ab Dezember die Dokumentation des deutsch-polnischen Schüler-Projekts "Ganz normale Helden - Einzelschicksale inhaftierter Oppositioneller in der DDR und der Volksrepublik Polen zu Zeiten des Kalten Krieges", ab Februar 2010 die Ausstellung "Es begann in Gdansk" über den Beitrag der Gewerkschaft Solidarität zur Epochenwende und schließlich ab Mai 2010 unter dem Titel "Über die Mauer hinweg" gab es die denkwürdigen Momentaufnahmen, in denen der italienische Photograph Augusto Bordato die gesellschaftlichen Umbrüche der Wendezeit festhielt.

Ein Querschnitt namhafter Europäer aus Kultur und Wissenschaft, aus Politik und Religion gaben sich während des gesamten Schuljahres die Klinke in die Hand: die Schriftsteller Peter Schneider, Klaus Kordon und Holly-Jane Rahlens aus Berlin, Sylvie Germain aus Paris, die Journalisten Karl-Heinz Baum (Berlin), Erhard Stackl (Wien), Demetrio Volcic (Triest), Andreas Op?atka (Budapest), der britische Musikwissenschaftler David Buckley und der Historiker Tilo Schabert aus München, der letzte DDR-Botschafter Spaniens und spätere Protokollchef von König Juan Carlos, Alonso Álvarez de Toledo (Madrid), der Direktor des Instituto Cervantes in München, Ibon Zubiaur, sowie der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland im Gespräch mit dem Jesuitenpater und Filmemacher Christof Wolf.

Auftakt

Zum Projekt-Auftakt am 13.10.2009 kamen zwei renommierte Journalisten an die Schule. Karl-Heinz Baum, 1977 - 1990 DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau, ließ vor Schülern der HS die Mauerfall-Nacht aus eigenem Erleben noch einmal Revue passieren, bot viele aufregende Details aus der Zerfallszeit des 2. deutschen Staates und beantwortete die Schülerfrage nach Vorzügen der DDR mit dem entwaffnenden Bekenntnis : "Natürlich die tollen Frauen! Ich selbst habe mich damals in eine verliebt und wir sind bis heute unzertrennlich!"

In der Grundschule diskutierte er mit Fünftklässlern und war hellauf begeistert, wie unbefangen und wissbegierig sie ihn über "die großartigste Erfahrung meines Lebens" befragten. Nachmittags sprach der österreichische Journalist Erhard Stackl vom Wiener "Standard" in der Europahalle über sein Buch "1989 - Sturz der Diktaturen" und zeigte, dass zum Fall des Eisernen Vorhangs auch Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei sowie Michail Gorbatschow mit "Glasnost" und "Perestroika" beitrugen und nicht zuletzt der polnische Papst Johannes Paul II.

Im Europabau wurde am gleichen Tage die Ausstellung "Friedliche Revolution in der DDR und Deutsche Einheit" der Berliner "Stiftung Aufarbeitung" feierlich eröffnet. Die Gäste der Vernissage mussten zunächst durch ein mauerähnliches Schüler-Spalier hindurch, bevor sie sich den professionell gehängten Plakaten (1. Stock) und der Comic-Variante (Erdgeschoss) widmen konnten. Auch die beiden Schulbibliotheken hatten sich auf das Jahresprojekt eingestellt und boten umfangreiches Begleitmaterial für Schüler und Lehrkräfte. Eine große Vitrine vor der HS-Bibliothek zeigte die Vielfalt der angeschafften Literatur, insbesondere auch die Werke unserer illustren Gäste: ein äußerst motivierender Mauerfall-Schaukasten!

Zum Projekt-Auftakt am 13.10.2009 kamen zwei renommierte Journalisten an die Schule. Karl-Heinz Baum, 1977 - 1990 DDR-Korrespondent der Frankfurter Rundschau, ließ vor Schülern der HS die Mauerfall-Nacht aus eigenem Erleben noch einmal Revue passieren, bot viele aufregende Details aus der Zerfallszeit des 2. deutschen Staates und beantwortete die Schülerfrage nach Vorzügen der DDR mit dem entwaffnenden Bekenntnis : "Natürlich die tollen Frauen! Ich selbst habe mich damals in eine verliebt und wir sind bis heute unzertrennlich!"

In der Grundschule diskutierte er mit Fünftklässlern und war hellauf begeistert, wie unbefangen und wissbegierig sie ihn über "die großartigste Erfahrung meines Lebens" befragten. Nachmittags sprach der österreichische Journalist Erhard Stackl vom Wiener "Standard" in der Europahalle über sein Buch "1989 - Sturz der Diktaturen" und zeigte, dass zum Fall des Eisernen Vorhangs auch Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei sowie Michail Gorbatschow mit "Glasnost" und "Perestroika" beitrugen und nicht zuletzt der polnische Papst Johannes Paul II.

Im Europabau wurde am gleichen Tage die Ausstellung "Friedliche Revolution in der DDR und Deutsche Einheit" der Berliner "Stiftung Aufarbeitung" feierlich eröffnet. Die Gäste der Vernissage mussten zunächst durch ein mauerähnliches Schüler-Spalier hindurch, bevor sie sich den professionell gehängten Plakaten (1. Stock) und der Comic-Variante (Erdgeschoss) widmen konnten. Auch die beiden Schulbibliotheken hatten sich auf das Jahresprojekt eingestellt und boten umfangreiches Begleitmaterial für Schüler und Lehrkräfte. Eine große Vitrine vor der HS-Bibliothek zeigte die Vielfalt der angeschafften Literatur, insbesondere auch die Werke unserer illustren Gäste: ein äußerst motivierender Mauerfall-Schaukasten!

Zwischen Rock ‘n’ Roll and Lipsi

Am 9. November 2009 stand unsere Schule ganz im Zeichen des Mauerfall-Jubiläums: Vor 20 Jahren fiel die Berliner Mauer und ein neues Zeitalter begann. Vor Hunderten von Schülern, Lehrkräften und Mitarbeitern wurde die Mauer symbolisch gleich mehrmals gestürmt, in der GS-Aula, in der HS-Aula und in der Europahalle. Ohne Zweifel ein innerschulischer Höhepunkt des Mauerfall-Projekts, über den auch die Süddeutsche Zeitung berichtete und der wegen des großen Interesses der Eltern und der interessierten Öffentlichkeit gleich zweimal wiederholt werden musste. Steinig graue und bunte Mauerwürfel wurden in der Mitte der HS-Aula aufgestapelt, Tänzer/innen tauchten auf beiden Seiten der Mauer auf, tanzten im Westen mit Rock'n Roll, im Osten mit Lipsi gegen sie an, trugen dann gemeinsam das Bollwerk ab, fanden aber angesichts streng dreinblickender DDR-Grenzsoldaten nicht gleich zueinander und vereinigten sich dann doch - endlich! - beim Klang der "Ode an die Freude". Während bei der 1. Aufführung der überfüllte Saal rumorte (wohl wie beim "echten" Mauerfall 1989), wurde es bei der 2. Präsentation mucksmäuschenstill, so als stellte sich die Aura des historischen Moments erneut ein.

Am 1. Dezember 2009 ging es mit der Ausstellungseröffnung des deutsch-polnischen Schülerprojekts "Ganz normale Helden" weiter, das der Berliner Trägerverein "Kannste auch! e.V." mit Hilfe der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" realisieren konnte. Gilbert Furian, eines der Stasi-Opfer, war aus Berlin angereist und erzählte den Schülern von seinem "Verbrechen": Er hatte eine Informationsbroschüre über DDR-Punks verfasst und in wenigen hektographierten Exemplaren in Umlauf gebracht; Konsequenz: zweijährige Haftstrafe.

„Mauerspringer“ - „ Mauerblümchen“ - „Sonnenseite“

Am 19.10.2009 startete der Literaturmarathon Berliner Schriftsteller zum Mauerfall mit der Deutsch-Amerikanerin Holly-Jane Rahlens, die eigentlich nur einige Passagen aus ihrem neuesten Jugendthriller "Mauerblümchen" vorlesen wollte, dies aber vor 200 Schülern von der Kanzel ihres Barhockers aus gekonnt zu einem Ost-West-Beziehungsdramolett mit offenem Ausgang auf quietschenden S-Bahn-Gleisen umfunktionierte. Man lohnte es ihr mit frenetischem Beifall. Am 3.12.2009 las einer der bekanntesten deutschen Jugendbuchautoren, Klaus Kordon, aus seinem vorerst letzten Roman "Auf der Sonnenseite" über die am eigenen Leibe erfahrenen Zitterpartien zwischen Teilung und Einheit und begeisterte die Zuhörer mit ganz persönlichen Bekenntnissen zu den Schnittstellen von Autobiographie und Literatur.

Am 10.12.2009 präsentierte Peter Schneider vor 150 ESM-Schülern seine bei ihrem Erscheinen 1982 bahnbrechende essayistische Erzählung "Der Mauerspringer". Ein Wortführer der Studentenbewegung - Autor des Kultbuches "Lenz" (1972) über Irrungen & Wirrungen der 68er - beschäftigte sich plötzlich mit der deutschen Frage. Ein Westberliner träumte von der Überwindung der Mauer, die er nicht länger ertragen konnte. Dieser linke Patriot wollte die deutsche Frage nicht anderen überlassen, sondern schuf ein literarisches Scharnier zwischen Willy Brandts Ostpolitik und dem Mauerfall. Und die Schüler merkten: Hier spulte der Autor keine gekonnte, aber beliebig wiederholbare Verlagsveranstaltung zwecks Buch-Promotion ab, sondern er war 27 Jahre nach dem Erscheinen seiner Erzählung auf Entdeckungsreise: Wie reagieren die jungen Leute von heute auf mich und meinen "Mauerspringer"? Das Gespräch mit den Schülern war dann tatsächlich spannend und der Autor nahm kein Blatt vor den Mund: Wer sich (gegen Unerträgliches) nicht wehrt, lebt verkehrt, so Peter Schneider.

Europäische Dimension des Mauerfallprojekts

Mit Demetrio Volcic kam am 21.1.2010 einer der großen italienischen, ja europäischen Fernsehjournalisten an unsere Schule, nicht nur sprachlich ein Kosmopolit. Seine Direktberichte vom Roten Platz in Moskau, seine Korrespondententätigkeit in Prag, in Wien, schließlich in Bonn zu Zeiten von Mauerfall und Wiedervereinigung: journalistische Klassiker! Volcic erläuterte den Schülern souverän, sympathisch und einprägsam die Ereignisse vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und nahm sich Zeit für deren Fragen. Wie engagiert die italienische Abteilung die Begegnung mit Volcic vorbereitet hatte, wurde noch einmal bei der Abendveranstaltung in der überfüllten Europahalle unter Beteiligung des italienischen Generalkonsulats deutlich.

Der ungarische Journalist und Historiker Andreas Oplatka hielt am 3. Februar 2010 einen Präsentationsvortrag zu seinem neuesten Buch "Der erste Riss in der Mauer" (2009). Oplatka wurde in Budapest geboren, musste aber nach der blutigen Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes im Jahre 1956 als 14jähriger mit seinen Eltern in den Westen fliehen. Zwischen 1968 und 2004 war er Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung in Stockholm, Paris, Moskau und in seiner Heimatstadt Budapest. Nun lehrt er als Historiker an den Universitäten Wien und Budapest. In seinem Buch legt er die Hintergründe des 11. Septembers 1989 (!) frei, als Ungarn seine Westgrenze öffnete und dadurch Tausenden von DDR-Bürgern die Flucht nach Österreich ermöglichte: ein spannender Politkrimi, ebenso brillant wie unterhaltsam geschrieben!

Tilo Schabert, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Nürnberg-Erlangen und Gastprofessor in Europa und Übersee, vor allem aber profunder Kenner der deutsch-französischen Beziehungen und in Sachen Wiedervereinigung wohl bisher der einzige, der in die Archive des Elysée-Palastes vorstoßen durfte, sprach über sein auf Deutsch, Französisch und Englisch erschienenes Standardwerk "Wie Weltgeschichte gemacht wird. Frankreich und die deutsche Einheit". Der französische Staatspräsident Mitterrand habe dem "ungläubigen" Helmut Kohl schon 15 Jahre vor dem Mauerfall die deutsche Einheit prophezeit, wollte aber, als diese sich konkret abzeichnete, keinen deutschen Sonderweg, sondern die Fortsetzung der erfolgreichen europäischen Integration mit der geeinten deutschen Nation, die nunmehr endgültige Grenzen haben sollte. Schabert wusste durchaus, wie man die Aufmerksamkeit junger Zuhörer fesselt, als er sich eingangs auf das Ostberliner Konzert von Bruce Springsteen und den Westberliner Auftritt von Michael Jackson kurz vor dem Ende der DDR bezog.

Zur Eröffnung der Ausstellung "Es begann in Gdansk" kam prominenter Besuch an die Europäische Schule: Die Generalkonsulin Polens in München, El?bieta Sobótka, schaute im Rahmen des Mauerfall-Projekts schon zum zweiten Mal vorbei und nahm die Schüler- und Lehrerschaft erneut für sich ein, als sie den Bogen spannte von der deutschen Polenbegeisterung im Vormärz - als der blutjunge polnische Flüchtling Frédéric Chopin auf dem Weg nach Paris 1831 in München Station machte - und dem Freiheitskampf der Gewerkschaft Solidarität; die Direktorin des Polenmuseums in Rapperswil, Anna Buchmann, war extra aus Zürich angereist, um das Motto des 1870 im Schweizer Exil gegründeten Nationalmuseums "Magna res libertas - Die Freiheit ist eine große Sache" am Beispiel der "Solidarno??"-Ausstellung zu erläutern. Mit großem persönlichem Engagement erinnerte der Vertreter der ESM-Elternvereinigung an die entscheidende Rolle der Polen bei den epochalen Umwälzungen 1989 in Europa.

Schlussakkorde

David Buckley, der als Biograph der Pop-Ikone David Bowie Kulturwissenschaften an der LMU und in Großbritannien lehrt, erklärte zunächst englischen Muttersprachlern (4.3.10), dann den ESM-Fremdsprachenlernern (11.3.10) die Auswirkungen von Mauer und Eisernem Vorhang auf die zeitgenössische Popmusik und Jugendkulturszene. Die HS-Schüler waren ganz Aug' und Ohr, weil Buckley ebenso geschickt wie lässig Humor und akademischen Vortrag zu verbinden weiß, ein echter Pop-Professor. So gelang es ihm gleichermaßen, die ernste Thematik publikumsgerecht zu präsentieren und die Jugendlichen auch emotional und intellektuell mitzunehmen. Vielleicht wissen die Schüler jetzt immer noch nicht, ob es tatsächlich Leben auf dem Mars gibt, wie David Bowie in einem seiner bekannten Songs suggeriert, aber sie haben mit Sicherheit ein viel klareres Bild vom zeitgeschichtlichen Kontext des Mauerfalls.

Der letzte spanische Botschafter in der DDR beendete am 18.3.2010 mit seiner Frühlingsbotschaft zumindest an der Europäischen Schule den langen Münchner Winter. Alonso Álvarez de Toledo erzählte den Schülern, wie 1989 für die Bewohner von Ost- und Westberlin ein unwirtlicher Novembertag ganz unerwartet Frühlingsgefühle auslöste. In Begleitung des spanischen Generalkonsuls Enrique Iranzo hatte der ehemalige Weltdiplomat und Protokollchef des spanischen Königs historisches Beweismaterial mitgebracht: seine persönliche Stasi-Akte und eine Filmaufnahme jener unvergesslichen Nacht, die den Gang der Geschichte veränderte. Den Filmausschnitt überließ er als sein persönliches Mitbringsel der Europäischen Schule. Gebannt folgten die Schüler der Schilderung des begnadeten Erzählers, der zwecks schnellerer Verständigung mit den Zuhörern problemlos vom Spanischen ins Englische wechselte.

Die französische Schriftstellerin Sylvie Germain präsentierte am 12.4.2010 ihren Roman "Tobie des marais", der im Jahr 1998 erschien und in diesem Jahr Abiturlektüre an den Europäischen Schulen war. Inspiriert von der fesselnden biblischen Episode über Tobias im Alten Testament, verfasste die Autorin eine moderne pikareske Reise des Titelhelden. Da Sylvie Germain viele osteuropäische Länder bereiste und jahrelang als Lehrerin in Prag lebte, wo sie Unterdrückung und Überwachung seitens der stalinistischen Regierung am eigenen Leib er fuhr, erklärte sie sich tief bewegt vom Flugzeugunglück des polnischen Staatspräsidenten auf dem Wege zur Gedenkfeier an das Massaker von Katy?, bei dem die Sowjets im Jahr 1940 Teile der polnischen Elite ermordet hatten.

Der junge Direktor des Münchner Instituto Cervantes Ibon Zubiaur ist studierter Psychologe und Pianist aus dem spanischen Baskenland, von Kind auf mit Baskisch, Spanisch und Englisch vertraut, zwischenzeitlich Literaturdozent in Tübingen und im polnischen Lublin, im Nebenberuf Essayist und - für unsere Veranstaltung von besonderem Interesse - Übersetzer deutscher Literatur ins Spanische. Er sprach am 29.4.2010 mit den Schülern über zwei Texte von DDR-Schriftstellerinnen, die ihm ans Herz gewachsen sind: "Geschwister" von Brigitte Reimann und "Gauklerlegende" von Irmtraud Morgner. Der in seiner Viertsprache Deutsch bemerkenswert eloquente Referent machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: In Brigitte Reimann, die er nur von Fotos kennt, habe er sich auf Anhieb verliebt und Irmtraud Morgners Schreibstil habe es ihm gleichermaßen angetan. Zubiaur zeigte die parallelen Lebenswege der 1931 geborenen Autorinnen auf, ihren Lebenshunger und Lebensmut, ihre Solidarität mit der DDR, ihre Kritik und ihr Leiden an ihr. Beide seien sie an Krebs gestorben, aber auch an ihrer Enttäuschung über diesen Staat, der alle Illusionen über einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz zerstört habe.

Im Dialog mit Jesuitenpater Christof Wolf, der die DDR nicht nur selbst erfuhr, sondern auch als Filmregisseur und Leiter des Medienunternehmens Loyola Productions thematisierte, sprach Metropolit Augoustinos am 17.5.2010 über seine Kindheit im von den Deutschen besetzten Griechenland, darüber, wie ihn während seines Theologiestudiums in Istanbul eine deutsche Germanistin für ihr Land und dessen Sprache gewann, wie intensiv er Deutschland seit vielen Jahrzehnten verbunden sei und natürlich auch über seine Zeit als Seelsorger im geteilten Berlin. Kirchliche Beerdigung in Ostberlin? Im Auto vor dem Friedhof! Russische Offiziere holten zur Taufe ihrer Kinder den griechisch-orthodoxen Geistlichen und nicht den russischen ins Haus; bei der anschließenden Feier durfte kein Sterbenswörtchen darüber verloren werden. Besonders vehement plädierten der Metropolit wie der Jesuitenpater für eine ethisch-moralische Identität Europas, das in seiner Vielfalt ebenso faszinierend wie leistungsfähig sei und sich nicht auf eine gemeinsame Währung beschränken dürfe. Ein solches Plädoyer traf bei der wahrhaft europäischen Zuhörerschaft auf Gegenliebe: Die ESM-Schüler scharten sich auch nach der Veranstaltung noch um den Metropoliten im würdigen schwarzen Ornat und den Jesuitenpater in Jeans und mit Pferdeschwanz.

Am 28.6.2010 beendete ein Finissage-Kolloquium im Europabau die unter dem Titel "Über die Mauer hinweg" gezeigte Ausstellung der Fotographien Augusto Bordatos. Der Künstler lebte zur Wendezeit als italienischer Diplomat in Berlin und bannte à vif seine Impressionen vor und nach dem Mauerfall auf Celluloid: keine volatilen Momentaufnahmen, die alsbald der Vergessenheit anheimfallen und mit ihrer marktschreierischen Farbigkeit lediglich auf Internet-Halbwertzeit angelegt sind, sondern als nicht austauschbare Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Sepia-Charakter veritable Denkbilder. Der an die bröckelnde Mauer gelehnte gedankenverlorene Volkspolizist, der in eine graue Zukunft schaut und - so viel verrät sein Blick - um sein Verschwinden weiß... oder die unendlich lange Elbbrücke, die mit ihren vielen festen Pfeilern für die Ewigkeit gebaut scheint, nun aber mitten im Strom abbricht.

Am 29. November 2010 stellte der Prager Historiker Josef Škrábek unter dem Titel "Die gestrige Angst" ebenso lebendig wie ausführlich die Geschichte Böhmens, aber auch die Entwicklung des tschechisch-deutschen Verhältnisses dar. "Die Menschen brauchen einen Wahn": Eine solche - oft fanatische - Denkweise habe allzu lange das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen geprägt und belastet. Škrábek hat erst auf Tschechisch, dann auf Deutsch ein Buch über die Geschichte des deutsch-tschechischen Verhältnisses geschrieben (V?erejší strach/Die gestrige Angst). Vielleicht, so der Historiker, deutet der Verzicht des Verlages auf eine weitere Auflage der deutschen Fassung seines Buches darauf hin, dass aus dem früher angespannten Verhältnis mittlerweile gute Nachbarschaft geworden ist , eine Freundschaft, die sich gerade im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft weiter entwickelt. Gegenüber den früheren existenzbedrohenden Spannungen ist für Škrábek die heutige "Langeweile" zwischen Nachbarvölkern in Europa eher ein gutes Zeichen und so beendet er seinen Vortrag mit einem engagierten Bekenntnis zu Europa in deutlicher Distanz zur europaskeptischen Position des aktuellen tschechischen Präsidenten Václav Klaus und ganz im Einklang mit dem großen tschechischen Dichter, Dissidenten und Staatspräsidenten Václav Havel.

Am Nikolaustag erfüllt Chopin-Musik die Europahalle: Als Schlussakkord des Chopin-Jahres und zum Ausklang des ESM-Mega-Projekts "Europa 20 Jahre nach dem Mauerfall" würdigt die Kulturplattform "jourfixe-muenchen.de" das auch am 200. Geburtstag noch immer taufrische Musikergenie: Der Münchner Komponist Jon Michael Winkler hat Chopins Walzer, Etüden und Polonaisen für die klassische Gitarre adaptiert, eine Auftragsproduktion des Polnischen Kulturzentrums München, das sich mit der musikalischen Schlittenfahrt für ein außergewöhnliches Schulprojekt bedankt, das ganz Europa zusammenbrachte, Ost und West, Nord und Süd. Die von Chopin für das Klavier komponierte - ebenso leidenschaftliche wie melancholische - Musik überzeugt bemerkenswerter Weise auch auf der Gitarre; dafür müssen die mehrtönigen Akkorde allerdings klanglich und technisch besonders sorgfältig ausgeführt werden, um mit dem vollen Klavierklang mithalten zu können.

So verlangt beispielsweise die revolutionäre Etüde C-Moll Opus 10 Nr. 12 überragende Spieltechnik bei sehr schnellen Durchgängen der linken Hand, während die rechte Hand - also der andere Gitarrist - mit punktiertem Rhythmus die Spannung aufbaut. Die Gitarristen Jon Michael Winkler und Alexander Stöhr bewältigen diese Herausforderung bravourös. Eine ganz besondere Stimmung schafft die Verbindung von Musik und Lebensgeschichte (Gaby dos Santos, ehemalige Schülerin der Europäischen Schule in Varese); es zeigt sich, dass man Chopins Virtuosität nicht nur auf dem Klavier nachvollziehen kann, wie die polnische Konsulin Dr. Gra?yna Strzelecka zu Recht betont. Der weiche Gitarrenklang und die weltbekannten Melodien verfehlen ihre Wirkung auf das jugendliche Publikum nicht: Nach dem Schlussakkord will keiner der 250 Zuhörer als erster aufstehen, man träumt lieber weiter.

Ein im Mai 2010 gedrehter Schülerfilm zeigt: Mehr oder weniger nach dem Zufälligkeitsprinzip interviewte Passanten im weitläufigen Schulgebäudekomplex - Schüler, Lehrer, Mitarbeiter, Eltern - haben alle etwas vom Mauerfallprojekt mitbekommen und mitgenommen, eine erfreuliche "Einschaltquote"!

Fazit

Am 18. März 2011 gab's als definitiven Abschluss des insgesamt zweijährigen Mauerfall-Projekts eine Film- Premiere im polnischen Generalkonsulat in München. Im strömenden Regen erreicht die Vorhut der Europäischen Schule das polnische Generalkonsulat. Doch noch bevor man vor verschlossener Pforte feucht-fröhlich "Singing in the rain" anstimmen kann, öffnet sich mit einem freundlichen "Dzie? dobry" das Tor und schon vernehmen die Gäste vom Festsaal her Chopin-Etüden, am Flügel intoniert von Maestro Wolfgang Leibnitz, Urgestein der Münchner Philharmoniker. Fast alle sind sie gekommen: Als Gastgeberin begrüßt Generalkonsulin El?bieta Sobótka ihren spanischen Kollegen Enrique Iranzo Arqués, den Direktor des Instituto Cervantes Ibon Zubiaur und den Repräsentanten der italienischen Vertretung, Augusto Bordato, punktgenau am 150. Jahrestag der Gründung Italiens. Die komplette Direktion der Europäischen Schule München ist zur Uraufführung des Projektfilms "Europa 20 Jahre nach dem Mauerfall" erschienen - Rudolph Ensing, André Studer, Fausta Pressacco - und als Vertreter des Vorstands der ESM-Elternvereinigung, dem Hauptsponsor des Mauerfall-Projekts, Gerry van Woensel, schließlich der Projektleiter Roland Jerzewski und die Filmrealisatorin María Ortiz Ostalé. Lehrer- und Schülerschaft der ESM sind gut vertreten. Sogar der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft München, Werner Meier, und - für das Polen-Museum im helvetischen Rapperswil - die Übersetzerin Nina Koslowski haben den Weg zur Filmpremiere nicht gescheut.

El?bieta Sobótka würdigt das Mauerfall-Projekt der Europäischen Schule München als Beweis für "Europa als Lebensgefühl, das gerade auch junge Menschen erreicht und einbindet, schließlich werden sie unseren Kontinent in Zukunft gestalten". Für Rudolph Ensing ist das Projekt nicht Vergangenheit, sondern Europa "hier und jetzt", Enrique Iranzo erinnert sich an seine unvergesslichen Mauerfall-Erlebnisse, als er - als Diplomat von Ost- nach Westberlin versetzt - zwei politische Kontinente mit einem U-Bahn-Ticket wechselte, und Augusto Bordato, ebenfalls Diplomat im geteilten Berlin, hielt den historischen Moment zwischen Teilung und Einheit fotografisch fest. Gerry van Woensel schließlich lobt die Professionalität der Projektmacher als unabdingbare Voraussetzung für das Entfachen von historischer Einsicht und Begeisterung.

Eine Verfilmung des Projekts war keineswegs von Anfang an geplant. Im Laufe der anderthalb Jahre entstanden aber an die 1000 Fotos und etwa 15 Stunden Filmsequenzen, zufällige Schnappschüsse, Handyaufnahmen, Videomitschnitte. Aus diesem so diversen Material ist nun dank María Ortiz ein sehenswertes Film-Kaleidoskop geworden, die filmische Erzählung eines erfolgreichen Kollektivvorhabens, bei dem sich an unserer Schule "halb Europa" die Klinke in die Hand gab und an dem so viele - innerhalb der ESM, aber auch draußen in der Stadt - mitgewirkt haben. Ganz offensichtlich beeindruckt der Film das Auditorium und lässt das im Laufe des Jahresprojekts 2009/2010 entstandene europäische Gemeinschaftsgefühl noch einmal aufwallen und hochleben. Da ist Nachhaltigkeit im Busche!

Die Zusammenarbeit zahlreicher Sprachabteilungen und Fächer, von GS & HS, der Bibliotheken, des technischen Personals, aber auch die Unterstützung durch die Schulleitung, das freiwillige arbeitsintensive Engagement so vieler Kolleg/inn/en, aber auch Schüler/inn/en, die Hilfestellung der Elternschaft - hier muss vor allem die großzügige finanzielle Förderung durch die ESM-Elternvereinigung hervorgehoben werden, ohne die das Projekt so nicht hätte gelingen können - sowie die zur Verfügung gestellten Eigenmittel der Schule, die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln, insbesondere die großzügige Unterstützung durch die diplomatischen Vertretungen Italiens, Polens, Spaniens und Ungarns, schließlich das aktive und häufig emphatische Mitgehen unserer Hauptadressaten, der Schüler, all das hat zum Erfolg des Projekts beigetragen. Viele Veranstaltungen sind dokumentiert, als DVD für den Unterricht nutzbar und auch individuell für jeden Interessenten zugänglich. Auf der Mauerfall-Website und im Projektfilm werden alle Beteiligten des Projekts aufgeführt.

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Termine für den dummy
s5: Berufspraktikum
Mündliches Abitur / Bac oral
s6: Berufsberatung
s1-s4: Meet Munich Day / Projekttag
s1-s4 Sportfest
s1-s4: Exkursions-/Projekttag im Klassenverband
Theateraufführung "dr.FAUSTus - Goethe vs. Marlowe"
s1-s4 + s6: Unterrichtsfrei
Noteneinsicht für Abiturienten
s5: Aushändigung von Zeugnissen
Letzter Schultag. Zeugnisausgabe an s1-s4 + s6
Proklamation / Überreichung der Abitur-Diplome
Sommerferien
Sekretariat geschlossen
Ausgabe von ZVS-Bescheinigungen
Erster Unterrichtstag im Schuljahr 2018/19
s1-s7: Ablauf des 1. Schultages
s2-Klassenreisen
s1 Elterninfoabend
s2 Elterninfoabend
Klassenlehrerstunde s1-s7
s3 + s4 Elterninfoabend
s5 Elterninfoabend
Tag der deutschen Einheit
Büchermarkt für den guten Zweck
s1-s4: Schülerparty
Tag der offenen Baustelle am Standort Fasangarten
Exkursions- und Projektwoche
Herbstferien
MunoM-Konferenz (Model United Nations of Munich)
Herbstbericht
s5-Fächerwahlinformation für Schüler
Büchermarkt für den guten Zweck
s1-s3 Elternsprechabend und Fächerwahlinformation
s5-Jahrgangstreffen
s4-s7 Elternsprechabend
s5-Fächerwahlinformation für Eltern
Adventskonzert der Höheren Schule
s5-Schüler am Nachmittag frei
s5 Semestertests
Weihnachtsferien
s6 Semestertests
s7 Prebac / Vorabitur
s1-s6: Klassenlehrerstunde mit Zeugnisausgabe
ESM Umweltschule / Öko-Woche
Skirennen und Snowboardtag
Ökowoche: Ausstellung für Eltern geöffnet
Winterferien
s1-s4 Schülerparty
s1-s7 Elternsprechabend
Känguru Mathematik-Wettbewerb
Büchermarkt
MEC - Model European Council
Pädagogischer Nachmittag: Schüler ab 12:40 Unterrichtsfrei
ESSS - European Schools Science Symposium
Eurosport
s6-Klassenreisen
Projekt- und Exkursionswoche
Osterferien
Tag der Arbeit
s1-s7: Klassenlehrerstunde
Europatag-Feier
s7-Ausgabe der Vornote
Christi-Himmelfahrt-Ferien
s5-Semestertests
Pfingstmontag
s6-Semestertests
Fronleichnam
s5-Berufspraktikum
s6: Berufsberatung-Seminare
s1-s4: Sportfest
s1-s4: Projekt- und Exkursionstag
s1-s4 + s6: Unterrichtsfrei
s1-s4 + s6: Letzter Schultag mit Zeugnisausgabe
Sommerferien
Erster Schultag im Schuljahr 2019/20
Deutscher Nationalfeiertag
Herbstferien
Weihnachtsferien
Winterferien
Osterferien
Tag der Arbeit
Christi-Himmelfahrt-Ferien
Pfingstmontag
Fronleichnam
Sommerferien