Kindergarten

Überraschendes Wiedersehen

Es ist schon eine ganze Weile her, dass unsere jetzigen Erstklässler als die Kleinsten in unserer Schulgemeinschaft im Kindergarten herumgeflitzt sind. Groß geworden sind sie in den letzten Monaten, können nun lesen und schreiben und noch so einiges mehr. So lernten die Schüler der Klasse 1 DeB zum Start in den Frühling und passend zu ihrem Thema "Frühblüher" das bekannte Gedicht "Die Tulpe" von Josef Guggenmoos.

Wie es der Zufall so will, beschäftigten sich die Kindergartenkinder der Eichhörnchengruppe auch gerade mit diesem Thema und lernten, mit Hilfe eben jenem Gedicht, den Aufbau der Tulpe kennen. Diese Begebenheit verlangte förmlich nach einem gemeinsamen Projekt und so trafen sich am 6. April 2017 die Kinder der 1 DeB und der Eichhörnchengruppe in der Turnhalle des Kindergartens zu einem "Frühlingsnachmittag".

Groß wie Klein freuten sich sehr und so einiges war vorbereitet und einstudiert, doch das Highlight dieses Treffens waren ganz offensichtlich die Patenschaften: Jedes Kindergartenkind bekam ein Schulkind als Freund, als Helfer und Unterstützer! So gestärkt konnte das bunte Programm beginnen.

Die Erstklässler trugen ihr Gedicht vor, wunderbar veranschaulicht mit farbigen Bildtafeln. Im Gegenzug erklärten die Kindergartenkinder das Wachstum der Tulpe mit Hilfe von verschiedenen Tüchern. Anschließend zogen die Zweierteams los zu unterschiedlichen Angeboten und Aktivitäten. So wurden Osterkarten gebastelt, Suchbilder bearbeitet, ein Osterspiel gespielt und Sonnenblumenkerne gepflanzt.

Die Schulkinder bewiesen viel Geduld, Verantwortung, Freude und Einfühlungsvermögen in ihrer Arbeit und im Spiel mit den Kleineren und genossen auch sichtlich die Zeit im Kindergarten. Die Kindergartenkinder fanden es großartig, einmal ein Schulkind ganz für sich alleine zu haben. Sie waren stolz darauf, ihr Können und Wissen zeigen zu dürfen und freuen sich nun umso mehr, selbst bald in die Schule zu gehen. Denn nun hat man ja dort auch schon den ein oder anderen Freund.

Auch die ganz Großen genossen dieses Transition-Projekt. Zu beobachten, wie gut und harmonisch die Kinder zu einem Miteinander fanden, war ganz wunderbar!

Grundschule

Über Drachen und Dinosaurier

Lange haben wir sie in der Schule erwartet und sind am 2. Mai 2017 bei dem Besuch der Autorin Ute Krause durch eine Lesung aus zwei ihrer wunderschön lebhaft illustrierten Geschichten vor drei deutschen ersten Klassen und einer deutschen zweiten Klasse belohnt worden. Alle Kinder saßen still und gespannt auf ihren Plätzen, als die Berliner Autorin, deren kosmopolitische Biographie über mehrere Länder und Kontinente den Schülern bereits bekannt war, und Katrin Rüger vom Buchpalast in Haidhausen, die uns die Autorin dankenswerter Weise vermittelte, den Saal betrat.

Bislang illustrierte sie 400 Kinderbücher, schrieb und illustrierte 27 eigene Kinderbücher, die weltweit in viele Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt wurden. Ihre Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet und sogar zum deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die Erstklässler unserer Schule lauschten der Geschichte von "Oskar und der sehr hungrige Drache", in der Oskar, das wohl nächste Opfer der Dorfgemeinschaft für den gefräßigen Drachen, mit listigen Ideen und viel Geschick sein Schicksal abwenden kann, indem er verspricht, für den Drachen lebenslang wunderbare Speisen zu kochen. Dem Drachen schmeckt es fortan so gut, dass er mit Oskar ein Restaurant für die gesamte Dorfgemeinschaft sowie für alle Drachen eröffnet, in dem friedlich nebeneinander gespeist werden kann.

In der zweiten Geschichte wünscht sich der kleine Drache Minus Drei ein Haustier. Er lässt sich einige verrückte Dinge einfallen, um seinen Eltern, die sich anfangs skeptisch zeigen, beweisen zu können, dass er sich verantwortlich zeigen und um ein Tier kümmern kann. Schließlich willigen die Drachen-Eltern ein und Minus Drei bekommt Lucy, einen Urmenschen, als Haustier.

Mit Wandprojektionen ihrer lebendigen Buchzeichnungen und ihrer fröhlichen Vorleseart, hielt sie die Kinder von der ersten bis zur letzten Minute in Bann.

Vielen Dank, Ute Krause, für 1,5 Stunden herrlichen Vorlesespaß und vielen Dank, Katrin Rüger, für ein unermüdliches Engagement im Dienste der Leseförderung!

Musik mit einem Touch von Afrika

Bereits zum 7. Mal in Folge ist das traditionelle Euro-Chor-Festival der Grundschule vom 25. bis 28. April 2017 an der Europäischen Schule Karlsruhe ausgerichtet worden. Kinder des Chors der Europäischen Stunden nahmen gemeinsam mit Kindern aus den Europäischen Schulen Varese und Karlsruhe an einem Chor-Workshop mit dem südafrikanischen Musikexperten Sidumo Nyamezele teil. Sidumo Nyamezeles Energie, Begeisterung, Rhythmusgefühl und Freude am Gesang waren so ansteckend, dass die Kinder singend und tanzend und mit viel Freude die zweitägigen Proben und Konzerte meisterten.

Die größte Herausforderung war, dass alle Festival-Songs in einheimischen afrikanischen Sprachen einstudiert, ohne Noten gelernt und dreistimmig gesungen werden mussten, lediglich begleitet von Sidumo Nyamezeles magischer Djembe-Trommel. Das junge Publikum konnte nicht stillsitzen, als er anfing zu spielen, sondern begann wie von selbst mitzusingen. Der südafrikanische Musiker war sehr beeindruckt, wie schnell die Kinder die schwierigen Klänge der afrikanischen Sprachen aufnahmen. Da es für Schüler von Europäischen Schulen ganz selbstverständlich ist, tagtäglich von vielen Sprachen umgeben zu sein, war es für sie überhaupt kein Problem.

Die jungen Chorsänger reisten mit dem Zug an und übernachteten bei Gastfamilien. Wie immer hat die ES Karlsruhe den roten Teppich für ihre Gäste ausgerollt und dafür gesorgt, dass sich alle willkommen fühlen. Die ESM-Schüler wurden von Flemming Stie, unserem ehemaligen ESM-Erziehungsberater, der heute Direktor der Grundschule und des Kindergartens in Karlsruhe ist, besonders herzlich begrüßt.

Wir möchten uns ganz herzlich bei unserer Direktorin der Grundschule und des Kindergartens, Dana Pavličíková, für diesen Austausch bedanken, denn sie hat die Tradition des GS-Euro-Chorfestivals im Jahr 2008 eingeleitet, als sie noch Direktorin der Grundschule und des Kindergartens Karlsruhe war. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit für Kinder, die "europäische Dimension" so hautnah zu erleben, als in andere Schulen zu reisen und unvergessliche Erfahrungen mit unseren europäischen Freunden zu teilen.

Lange lebe diese musikalische Tradition!

Höhere Schule

Geschichtsbücher Geschichtsbilder

Unterstützt vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München ist die zweite Veranstaltung zum Europatag "Geschichtsbücher - Geschichtsbilder" am Abend des 9. Mai 2017 über die Bühne gegangen. Sie war zugleich Teil der Reihe "Perspektivenwechsel". Die ESM verstand es hier, tatsächlich eine Verbindung zwischen Europa und Schule herzustellen und der Frage nachzugehen, ob ein europäisches Geschichtsbewusstsein heute bereits Programm im Unterricht oder überhaupt ein angestrebtes Ziel ist.

Die Schüler des vierstündigen Geschichtskurses unter der Leitung von Dr. Michael Wagner waren dieser Frage anhand aktueller Lehrbücher aus sechs europäischen Staaten nachgegangen. Die Auswahl wurde durch die Zusammensetzung der Gruppe bestimmt, indem die jeweils erste Sprache den Ausschlag gab, womit sich ein guter gesamteuropäischer Querschnitt aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien ergab.

Verbindendes Thema des Abends war die hundert Jahre zurückliegende Endphase des Ersten Weltkrieges sowie die darauffolgende Neuordnung, interessant nicht nur wegen des deutlichen Gegensatzes zum heute friedlich geeinten Europa, sondern auch wegen der erwartbar unterschiedlichen Auffassungen, die in nationalen Lehrplänen und Schulbüchern dazu herrschen können. Dr. Wagner hob in seiner Eröffnungsansprache hervor, wie sehr historische und nationale Identitäten gerade vom Geschichtsunterricht in der Schule geprägt werden könnten und dass Lern- und somit Lehrbuchinhalte immer auch Ausdruck politischer Absichten in dieser Hinsicht seien.

Um die grundsätzlichen Besonderheiten von Schulbüchern zu charakterisieren, referierte Hannelore Singer vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus über das Zulassungsverfahren. Nicht nur sei eine Übereinstimmung mit dem Lehrplan zu gewährleisten, auch eine ausgewogene Quellenauswahl und didaktische Aufbereitung gelte es zu beachten, die vor der Genehmigung des Einsatzes im Unterricht von ihrer Abteilung einer detaillierten Prüfung unterzogen würden.

Im Anschluss sprach mit Christiane Brandau vom Georg-Eckert-Institut ein aus Braunschweig ein Mitglied der Kommission für das Deutsch-Polnische Geschichtsbuch über eben dieses länderübergreifende Projekt. Hier seien nicht allein die in deutschen Ländern und in Polen geltenden Richtlinien und Inhalte, sondern auch teils unterschiedliche konzeptionelle und didaktische Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Zudem bemühe sich dieses Werk konsequent um eine europäische Perspektive. Aufgrund der Unabhängigkeit und Expertise der Herausgeber sei eine unmittelbare politische Einflussnahme ausgeschlossen.

Im Gespräch der Schüler wurden dann die konkreten Inhalte und Konzeptionen der unterschiedlichen Bücher deutlich, wobei zunächst auffiel, dass außer dem englischsprachigen alle mit einem hohen Anteil von Bild- und Textquellen versehen sind, die zudem nicht nur illustrativen Charakter besitzen. Eine Konzentration auf das eigene Land erfolgt in unterschiedlichem Ausmaß: Während das in Spanien verwendete Werk konsequent der Weltgeschichte verpflichtet ist, widmet das polnische - verständlicherweise - den Vorgang der nationalen Wiedergeburt nach 1918 breiteren Raum. Dem italienischen Werk wurde stärkere Emotionalität attestiert, während das in Flandern gebräuchliche als einziges nicht nach der Chronologie, sondern nach Themenbereichen geordnet ist. Das schon länger auf dem Markt befindliche deutsch-französische Werk ist um eine dualistische Sicht bemüht, blickt dafür aber weniger auf den großen Rest Europas. Im britischen fällt neben vergleichsweise pointierten (und manchmal einseitigen) Positionierungen die Fokussierung auf das Empire und die USA auf.

Abschließend gingen die Schüler der Frage nach, ob es überhaupt eine europäische Geschichte geben könne und ob diese zumindest an einer Europäischen Schule Gegenstand sein solle. Das dürfe freilich nicht eine Überfrachtung mit Detailwissen über alle Länder bedeuten - aber mit Blick auf ihr Smartphone waren sich alle ohnehin darin einig, dass ein Memorieren von Fakten immer mehr an Sinn und Bedeutung verliere.

Sich für Europa stark machen

Die Errungenschaften der Europäischen Union - Freiheit, Frieden sowie enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen ist für uns - besonders an einer Europäischen Schule - derart selbstverständlich geworden, dass wir sie im Alltag kaum mehr wahrnehmen. Aber der Staatenbund durchlebt gerade eine historische Krise. Der Brexit hat die EU in ihren Grundfesten erschüttert. Umso wichtiger ist es, sich für ein geeintes Europa stark zu machen und Themen, die Menschen Europas bewegen, zu diskutieren.

Dazu hatte eine Gruppe von Schülern der Höheren Schule aus den Jahrgangsstufen 6 und 7 bei einer Podiumsdiskussion mit EU-Parlementarierin Prof. Dr. Angelika Niebler am Europatag, den 9. Mai 2017 Gelegenheit. Die Juristin und CSU-Abgeordnete im EU-Parlament nahm zu aktuellen politischen Entwicklungen in Europa Stellung und beantwortete Fragen über die Zukunft und den Zusammenhalt der Europäischen Union.

Die Schüler wollten von der Politikerin wissen, ob sie in der Frage Seehofer einen Generationswechsel für angebracht hält, wie sie die Austrittsverhandlungen zum Brexit beurteilt, welche Haltung die EU zu einer sich zur Autokratie entwickelnden Türkei einnehmen soll, ob der Waffenhandel mit der arabischen Welt gerechtfertigt ist, wie sich die EU für die Rechte der Frauen in muslimischen Ländern einsetzt, ob Nationalismus als ein gängiges Phänomen der Gruppenbildung zu werten ist und schließlich, was sie über die Energiewende denkt.

Angelika Niebler beantwortete alle Schülerfragen mit starker Präsenz und Klarheit. Sie gab detaillierte Einblicke in das aktuelle Tagesgeschäft im Parlament, die Europapolitik und auch Ausblicke in die Zukunft Europas. "Europa ist ein einziger Kompromiss", so die langjährige EU-Abgeordnete. Von der Abschaffung der Roaming-Gebühren bis hin zur Anerkennung von Schul- und Uniabschlüssen muss alles verhandelt werden, so dass unter den Mitgliedsstaaten ein gemeinsamer Nenner gefunden werde, der für alle leistungsgerecht und akzeptabel sei.

Die Juristin sieht sich als Europäerin mit bayerischen Wurzeln und ist eine starke Befürworterin der EU. Dennoch mahnt sie, dass EU keine Selbstverständlichkeit sei, sondern dass wir hinterfragen sollten, warum so viele Menschen die EU so kritisch sehen. Sie forderte die Schüler und jungen Europäer mehrfach auf, für Europa zu werben und sich für Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsvielfalt und Pluralismus einzusetzen.

Den Brexit hält sie für einen historischen Fehler und bedauerte es, dass die jungen Leute in Großbritannien, die fast alle für den Verbleib in der EU waren, sich nicht an der Abstimmung beteiligt hätten. Man solle gesellschaftlich Verantwortung übernehmen und sich politisch im weitesten Sinne engagieren, egal ob beim Sport, in einem Verein oder in der Nachbarschaft. "Sie alle sitzen auf dem Fahrersitz. Sie sind nicht bloß Beifahrer. Sie können die Richtung mitbestimmen. Überlassen Sie es nicht den anderen", so ihr Schlussplädoyer.